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Deep-Tech Artikel

Vergleichsmessungen: Warum sie technisch oft scheitern

Ein kritischer Blick auf die Methodik von Energievergleichsmessungen und deren Grenzen.

Vergleichsmessungen werden häufig eingesetzt, um die Wirksamkeit von Energiesparmaßnahmen zu evaluieren oder unterschiedliche Technologien zu vergleichen. Doch in der Praxis sind sie mit erheblichen Herausforderungen verbunden, die oft übersehen werden. Die Messung vor und nach einer Maßnahme ist zwar einfach umzusetzen, liefert jedoch nicht immer präzise Ergebnisse. Insbesondere bei komplexen, dynamischen Netzen entstehen durch unzureichende Methodik und fehlende Standardisierung immer wieder Probleme.

Derartige Messungen können die tatsächlichen Effekte von Netzoptimierungen oder Energiespartechnologien verfälschen, wenn die zugrunde liegenden Annahmen nicht korrekt sind.

Problematik der Messmethoden

1. Fehlende Berücksichtigung von Netzdynamiken

Ein zentrales Problem vieler Vergleichsmessungen ist die Vernachlässigung von Lastwechseln und Netzdynamiken. In der realen Welt wechseln Lasten kontinuierlich, Verbraucher starten und stoppen, was zu unterschiedlichen Netzverhältnissen führt. Diese Veränderungen sind nicht nur auf den Verbrauch, sondern auch auf das Verhalten der elektrischen Infrastruktur selbst (wie Spannungsschwankungen oder Oberschwingungen) zurückzuführen.
Veränderungen in den Betriebszuständen können den Energieverbrauch stark beeinflussen, ohne dass dies eine echte Einsparung widerspiegelt.

2. Unterschiedliche Lastprofile vor und nach der Maßnahme

Bei einem Vergleich vor und nach der Maßnahme wird häufig ein vergleichbares Lastprofil vorausgesetzt. In der Praxis jedoch können Änderungen in der Anlagenkonfiguration, Betriebsstrategie oder -zeiten dazu führen, dass sich das Lastprofil verändert. Diese Unterschiede haben einen direkten Einfluss auf die Ergebnisse der Messung und können die tatsächliche Wirkung einer Maßnahme erheblich verzerren.

3. Fehlende Berücksichtigung von infrastrukturellen Effekten

Ein weiteres Problem ist die unzureichende Berücksichtigung der netzseitigen Effekte. In vielen Fällen konzentrieren sich Vergleichsmessungen ausschließlich auf den Energieverbrauch der Endverbraucher, ohne die Auswirkungen auf die Infrastruktur zu berücksichtigen. Diese Art der Messung ignoriert oft Verluste und Spannungsinstabilitäten, die in den Transformatoren, Leitungen und Verteilanlagen entstehen. Eine umfassende Betrachtung muss immer auch die netzseitigen Verluste und oberschwingungsbedingten Belastungen einbeziehen.

Warum Vergleichsmessungen oft verzerrt sind

1. Änderung von Betriebsparametern

Viele technische Systeme (wie Kälteanlagen oder Umrichter) werden nach der Implementierung von Optimierungsmaßnahmen mit veränderten Betriebsparametern betrieben. Diese Änderungen können den Energieverbrauch erheblich beeinflussen, ohne dass sie in der ursprünglichen Messung berücksichtigt wurden. Der Effekt dieser Änderungen kann die Ergebnisse der Vergleichsmessung verfälschen und zu einer Überschätzung der Einsparungen führen.

2. Messpunktproblematik und Zeitpunkt

Ein weiteres Problem ist die Wahl des Messzeitpunkts. Netz- und Lastbedingungen schwanken je nach Tageszeit, Wochentag oder Jahreszeit. Wenn Messungen nicht unter gleichen Bedingungen durchgeführt werden, entstehen signifikante Messfehler. Insbesondere bei langfristigen Messungen kann der Effekt von saisonalen Schwankungen oder Kurzzeitlasten den Vergleich stark verzerren.

3. Systematische Verzerrung durch ungenaue Messgeräte

Die Genauigkeit der verwendeten Messgeräte ist ebenfalls eine entscheidende Frage. Bei unzureichend kalibrierten oder falsch installierten Messsystemen können die Ergebnisse ebenfalls signifikant verzerrt werden. Um wirklich vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, ist eine normgerechte Installation und Kalibrierung der Messgeräte erforderlich, was in der Praxis häufig übersehen wird.

Lösungsansatz: Messmethodik anpassen

Eine präzise Bewertung von Energiesparmaßnahmen und deren Wirkung auf die Netzqualität erfordert eine sorgfältige, normgerechte und realistische Messmethodik. Um zuverlässige Ergebnisse zu erzielen, sollten die folgenden Punkte berücksichtigt werden:

  1. Berücksichtigung von Lastwechseln: Die Messung muss über einen ausreichend langen Zeitraum erfolgen, um auch unterschiedliche Betriebszustände und Lastwechsel abzubilden. Dabei sollte die Dynamik des Netzes immer berücksichtigt werden.
  2. Einsatz normgerechter Messgeräte: Die Messgeräte müssen kalibriert und auf die spezifischen Anforderungen der Anwendung abgestimmt sein, um eine fehlerfreie Messung zu gewährleisten.
  3. Ganzheitliche Betrachtung der Infrastruktur: Um die vollständige Wirkung von Energiesparmaßnahmen zu erfassen, sollte nicht nur der Energieverbrauch der Endverbraucher gemessen werden, sondern auch die netzseitigen Effekte (z. B. Verluste, Spannungsschwankungen und Oberschwingungen).
  4. Langfristige Messungen: Messungen sollten über längere Zeiträume erfolgen, um saisonale Effekte und lastabhängige Schwankungen zu erfassen.

Fazit

Vergleichsmessungen sind ein nützliches Instrument, um die Wirksamkeit von Energiesparmaßnahmen zu überprüfen. Sie sind jedoch nur dann verlässlich, wenn sie unter realistischen, normgerechten Bedingungen durchgeführt werden. Ein Fehler in der Messmethodik oder eine fehlerhafte Annahme kann dazu führen, dass die Messergebnisse verfälscht werden. Um die tatsächliche Wirkung von Energiesparmaßnahmen korrekt zu bewerten, müssen neben dem Energieverbrauch auch die infrastrukturellen Effekte und Netzbedingungen berücksichtigt werden.

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